Audiovisuelles

Diese kleine Auswahl an audiovisuellem Material fängt einige wenige, eher zufällige Momentaufnahmen von Renate Wielands Vortragstätigkeit ein. Wir haben sie zusammengetragen und nachbearbeitet, weil wir uns vorstellen können, dass manches, was bisher nur in ihren Texten beschrieben wird, durch diese Formate unmittelbarer erfahrbar werden könnte, was auch die Neugierde auf das eigene Experiment verstärken könnte.

Neu entstanden sind die Hörbeispiele mit Texten von Renate Wieland aus „Forschendes Üben“ sowie von Kurzfassungen von „Denken und Spielen“ und „Forschendes Üben“, von Berit Fromme-Dörfler gelesen, sowie das Video über Tai Chi, das die mit der pianistischen Bewegung verwandten Bewegungsprinzipien dieser chinesischen Kampfkunst illustriert, die Renate Wieland in „Forschendes Üben“ beschrieb.[1]

Die Audiovorträge und Videos mit Renate Wieland selbst stammen aus Mitschnitten von Interpretationskursen und Gesprächskonzerten, die mit sehr einfachen Geräten aufgezeichnet wurden. Sie sollten lediglich eine kritische Reflexion beim Prozess der Entwicklung von DVD und CD Projekten unterstützen und waren nie zur Veröffentlichung vorgesehen. Da aber die vollendeten Fassungen dieser multimedialen Projekte gar nicht mehr realisiert werden konnten, erschienen mir diese Versuchsaufnahmen nach Renate Wielands Tod auf einmal umso wertvoller. Die einfachen Aufnahmen illustrieren wichtige Inhalte und zeigen Renate Wieland sehr lebendig, persönlich und spontan. Die Idee, jene Dokumente zu veröffentlichen, konnte ich durch die Begegnung bei der Beerdigung im Mai 2017 mit mehreren ihr nahestehenden Menschen teilen, die bereit waren, ihre vielfältigen Fähigkeiten bei der Entwicklung dieser Website einzubringen.

Martin Smith 2019

[1]Siehe dazu Zwei Prinzipien des Qi Gong und Tai Chi in: Renate Wieland/Jürgen Uhde, Forschendes Üben, Kassel 2002, S.253.


Renate Wieland und Martin Smith

Renate Wieland und ich standen ab Mitte der 1990er Jahre bis zu ihrem Tod 2017 im intensiven Austausch über ihre Arbeit und über alles, was sie in der Zeit schrieb.[1] Ich lernte sie 1991 bei dem allerletzten gemeinsamen Interpretationskurs mit Jürgen Uhde kennen und nahm danach jahrelang regelmäßig bei ihr Unterricht. Es entstand eine vielfältige Zusammenarbeit, die u.a. umfasste: Korrekturlesen und kritische Reflexion, gemeinsame Kurse für Pianistinnen und Pianisten im „Kronberger Forum für musikalische Interpretation“, Gesprächskonzerte, bei denen ich die besprochenen, im Sinne ihrer Werkanalysen zusammen einstudierten Werke spielte und Präsentationen zu ihren Büchern bei EPTA[2]-Kongressen. Unsere fortlaufenden Interpretationsexperimente flossen in ihre Bücher mit ein.[3] Leider erkrankte ich 2012 an Parkinson, so dass wir die CD – und DVD Projekte nicht mehr verwirklichen konnten, die wir als Begleitmaterial zu ihren Büchern vorgesehen hatten.

Martin Smith, Professor I.R. für Klavier an der Hochschule für Kirchenmusik Tübingen, 2019 (http://www.martin-smith.de)


[1]Vgl. dazu Renate Wieland(Jürgen Uhde, Forschendes Üben, Kassel 2002, S. 11.
[2]European Piano Teachers Association (EPTA), Deutschland.
[3]Vgl. dazu Renate Wieland/Jürgen Uhde, Schubert – späte Klaviermusik, Kassel 2014, S. 7.


Wege zur musikalischen Darstellung

Zwei Videos aus einem Interpretationskurs mit Renate Wieland


Vortrag: Renate Wieland, Klavier: Martin Smith

In diesen Videos stellt Renate Wieland Grundprinzipien zur musikalischen Darstellung vor, die in den Büchern „Denken und Spielen“ und „Forschendes Üben“ beschrieben wurden. Es sind zwei Vorträge mit Klangbeispielen.

Video I beleuchtet durch Klangbeispiele von Bartók, Beethoven, Brahms, Janáček und Schubert u.a. die Fragen, wie atmet eine Musik, was sind „Zeitgestalten“, welche Grundformen von Zeitgestalten gibt es, wie wird eine dynamische Struktur zur Geste, was sind die Grundprinzipien  einer „hörenden“ pianistischen Bewegung, und welche Rolle spielt die Antizipation im „Vormoment“ für das Gelingen einer bevorstehenden Phrase?

Video II fragt nach den Gesten und Charakteren der Musik und wie sie aufeinander reagieren, nach der Bestimmung des „führenden Charakters“, nach Grundmodi des Ausdrucks, und wie der Körper die Gesten der Musik erkennt, sich ihnen „ähnlich“ werden lässt und in die Darstellung überträgt. Die Musikbeispiele sind von Beethoven, Brahms, Schubert und Schumann, 

2007 bei einem unserer Interpretationskurse für Pianisten im Kronberger Forum ließ ich eine kleine Videokamera auf einem Stativ einfach an der Seite mitlaufen, als Orientierungsaufnahmen für eine geplante DVD zu den Büchern „Denken und Spielen“ und „Forschendes Üben“, die wir leider nicht mehr realisieren konnten. Die Videos sind nun die einzigen, die es von Renate Wieland bei der Arbeit gibt. Die Klangbeispiele wurden bewusst etwas übertrieben gespielt, um den Inhalt zu verdeutlichen.

Martin Smith 2018

Die hörende Bewegung

Renate Wieland, Manuskript 2007 aus dem Nachlass. Mit freundlicher Genehmigung der Erben von Renate Wieland.

Originalaufnahme: Martin Smith. Nachbearbeitung: Timon Ott und Martin Smith. Mit freundlicher Genehmigung der Erben von Renate Wieland.

Die gestische Darstellung

Renate Wieland, Manuskript 2007 aus dem Nachlass. Mit freundlicher Genehmigung der Erben von Renate Wieland.

Originalaufnahme 2007: Martin Smith. Nachbearbeitung 2018: Timon Ott und Martin Smith. Mit freundlicher Genehmigung der Erben von Renate Wieland.


Spuren der inneren Geschichte – zwei Gesprächskonzerte zu Schubert D 894 und D 946


Vortrag: Renate Wieland, Klavier: Martin Smith

Fotos: Gabriele Smith.

Zwischen 1999 und 2003 stellten Renate Wieland und ich einige ihrer gerade entstehenden Schubert-Analysen in Gesprächskonzerten vor. 

Im einleitenden Vortrag, der durch Klangbeispiele ergänzt wurde, befasste sich Renate Wieland mit der Analyse des Besonderen eines Werks und dem Herauslesen von Spuren seiner inneren Geschichte aus seiner Struktur. 

Ihr Fragen nach dem Sinnzusammenhang verstand sich als Einladung, sich bei der anschließenden Gesamtaufführung – und darüber hinaus – von gewohnten Hörerwartungen zu lösen, um „die Neugier für das eigene Erkennen, die eigene sinnliche Erfahrung des Sinnzusammenhangs der Musik  zu wecken“.[1]

In ähnlichem Format – Vortrag/Gesamtaufführung – waren Begleit-CDs zu dem Buch „Schubert – späte Klaviermusik“ geplant, das 2014 mit Renate Wielands ausgereiften Analysen und Texten von Jürgen Uhde erschien. Aufgrund meiner Parkinson-Erkrankung kamen sie nicht zustande, und an ihrer Stelle erscheinen hier nachbearbeitete Live-Aufnahmen aus den frühen Gesprächskonzerten.

Renate Wielands Vortrag zu Schubert: Drei Klavierstücke D 946 wurde von Berit Fromme-Dörfler neu aufgenommen, weil die alte Aufnahme mit Renate Wielands Stimme nicht auffindbar war

Da Vortrag und Interpretation sich eng an Schuberts Autograph orientierten, erscheint es bei den Gesamtaufführungen der Werke als Video zum Mitlesen. 

Martin Smith 2019

[1]Renate Wieland/Jürgen Uhde, Forschendes Üben, Kassel 2002, S.11.


1. Wirklichkeit und Schatten – Vortrag mit Klangbeispielen und Gesamtaufführung zu Franz Schubert: Drei Klavierstücke D 946

Live-Aufnahme Tübingen 1999
Audiovortrag: Renate Wieland – neu aufgenommen von Berit Fromme-Dörfler (Sprecherin), Klavier: Martin Smith
Gesamtaufführung: Martin Smith (Klavier)- Video mit Autograph

Dieser Vortrag erschien in ausgearbeiteter Form in „Schubert – späte Klaviermusik“, Kassel 2014, S. 8f., und S. 164ff.  Der Vortragstext und die Audiofassung davon erscheinen hier mit freundlicher Genehmigung des Bärenreiter Verlags und der Erben von Renate Wieland.

Audio-Neuaufnahme von Renate Wielands Text: Roland Meifert, München. Schnittarbeiten und Neuaufnahmen einzelner Klangbeispiele 2018: Eckhard Steiger und Günter Appenheimer. Originalaufnahme der Gesamtaufführung: Sebastian Osswald, 1999.

Drei Klavierstücke D 946 – Gesamtaufführung

Die Abbildungen von Schuberts Autograph erscheinen mit freundlicher Genehmigung der Wienbibliothek im Rathaus.

Creative Commons Lizenzvertrag


Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

2. Klang des Aufbruchs und des Verweilens – Vortrag mit Klangbeispielen und Gesamtaufführung zu Franz Schubert: Sonate G-Dur op.78 D 894

Live-Aufnahme Tübingen 2002
Audiovortrag: Renate Wieland, Klavier: Martin Smith
Gesamtaufführung: Martin Smith (Klavier) – Video mit Autograph

Dieser Vortrag, in dessen Zentrum der erste Satz der Sonate steht, erschien in ausgearbeiteter Form in „Schubert – späte Klaviermusik“, Kassel, 2014, S. 111ff. Dort finden sich ab S. 130 auch Renate Wielands ausführliche Analysen der anderen drei Sätze. Der Vortragstext und die Audiofassung erscheinen hier mit freundlicher Genehmigung des Bärenreiter Verlags und der Erben von Renate Wieland.

Originalaufnahme: Sebastian Osswald, 2002. Nachbearbeitung 2018: Günter Appenheimer.

Sonate G-Dur D 894 – Gesamtaufführung

Die Abbildungen von Schuberts Autograph erscheinen mit freundlicher Genehmigung der British Library.

Creative Commons Lizenzvertrag


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Qi Gong und Tai Chi

 Das Prinzip der Kontinuität


„Die organische Einheit zentral gesteuerter Bewegung verwirklicht sich kraft ihrer Kontinuität. Wer ihr auf der Spur bleibt, erfährt die sinnliche Logik, nach der die Impulse sich fortpflanzen, die Gelenke die Impulse rhythmisch einander zuspielen, er realisiert in den unendlichen Übergängen etwas vom ‚Melos‘ organischer Prozesse. Das ‚Legato‘ der Körperbewegung kann zum Organ werden für das innere Legato der Musik, es vollzieht dann jenen Strom, der nicht nur in den Tönen, sondern zwischen ihnen treibt, der durch Pausen, Stauungen, Zäsuren hindurch den Zusammenhang stiftet, der selbst bei Abstürzen und radikalen Frakturen als Energie des ‚Vermissens‘ weiterlebt“[1]

Mit freundlicher Genehmigung des Bärenreiter Verlags

Die Erfahrung eines endlosen Unterstroms, eines atmenden Kontinuums im Hintergrund, spiegelt sich in den zentral gesteuerten, atmenden Bewegungen der chinesischen Kampfkunst Tai Chi und ihrer verwandten Heilmethode Qi Gong. Weitere leitende Prinzipien dieser Praktiken, die auch für den Instrumentalisten zutreffen, sind die bewusste Antizipation der kommenden Bewegung, und die Ausführung einer Bewegung als ein Nicht-Tun im Tun.

Martin Smith 2019

[1]Renate Wieland/Jürgen Uhde, Forschendes Üben, Kassel 2002, S 43 f.


Audiodatei „Zwei Prinzipien des Qi Gong und Tai Chi“

aus: Renate Wieland/Jürgen Uhde, Forschendes Üben, Kassel 2002, S. 253.

gelesen vom Berit Fromme-Dörfler

Mit freundlicher Genehmigung des Bärenreiter Verlags

Victor Chu – Tai Chi


Dr. med. Victor Chu (https://www.vchu.de/) zeigt Teile der 108er Tai Chi Form im alten Yang Stil.

Creative Commons Lizenzvertrag

Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International Lizenz.

Darsteller: Victor Chu
Musik und Gitarre: Daniel Galindo
Kamera: Timon Ott

Musikwerke:
Die Erde basiert auf einem Thema von Gustav Mahlers Das Lied von der Erde.
Der Himmel basiert auf einem Thema von Gabriel Faurés Requiem.
Der Mensch ist eine Transkription für Gitarre von Gustav Mahlers Urlicht aus seiner zweiten Symphonie.